In aller Kürze: Jede Website verbraucht Strom, und zwar umso mehr, je mehr Daten sie lädt. Eine typische Startseite wiegt heute rund 2,7 MB, vieles davon vermeidbar. Hier zeigen wir die größten Hebel, testen unsere eigene Seite und erklären, warum „klimaneutrale Website“ heikel ist.
1. Warum verursacht eine Website überhaupt CO₂?
Bei jedem Aufruf schickt ein Server Daten durch Rechenzentren und Netze, und das Gerät deiner Besucher rechnet die Seite zusammen. An allen drei Stellen wird Strom verbraucht, und solange der nicht vollständig aus erneuerbaren Quellen kommt, entsteht CO₂.
Ein Seitenaufruf
Strom fließt an drei Stellen.
Server
Rechenzentrum liefert die Seite aus
Netz
Daten reisen durch Leitungen und Funk
Gerät
Smartphone oder Laptop baut die Seite auf
Je weniger Daten, desto weniger Strom an allen drei Stellen.
Die einfachste Stellschraube ist die Datenmenge: Was nicht geladen wird, verbraucht nirgends Strom.
2. Was wiegt eine durchschnittliche Website heute?
So viel lädt eine mittlere Startseite laut Web Almanac 2025 des HTTP Archive:
| Desktop | Mobil | |
|---|---|---|
| Seitengewicht gesamt | 2,86 MB | 2,56 MB |
| davon Bilder | rund 1,06 MB | rund 0,91 MB |
| davon JavaScript | rund 0,70 MB | rund 0,63 MB |
| Anzahl Anfragen | 80 | 75 |
Seitengewicht mobil
Die mittlere Startseite ist dreimal so schwer wie 2015.
0,85 MB
2,56 MB
× 3mehr Daten, ohne dass Websites dreimal so nützlich geworden wären
Quelle: HTTP Archive, Median mobile Startseite (2025: Web Almanac 2025).
Seit 2015 hat sich das Gewicht ungefähr verdreifacht, ohne dass Websites dreimal so nützlich geworden wären.
3. Unser Selbsttest: memedia.de gegen den Durchschnitt
Wir haben unsere eigene, neue Website gemessen, live nach dem Launch.
| Durchschnitt (Web Almanac 2025, mobil) | memedia.de (live, gemessen am 18.10.2026) | |
|---|---|---|
| Seitengewicht Startseite | 2,56 MB | 260 KB |
| Anzahl Anfragen | 75 | 40 |
| PageSpeed mobil (Performance) | nicht erhoben | 96 (PageSpeed Insights) |
| CO₂-Schätzung pro Aufruf (Sustainable Web Design Model, wie bei Website Carbon) | nicht erhoben | 0,03 g |
| Website Carbon Rating | nicht erhoben | A+ (sauberer als 94 % aller getesteten Seiten, getestet am 18.10.2026) |
| Hosting im Green Web Directory gelistet | nicht erhoben | ja (Hetzner Online, geprüft am 18.10.2026) |
Unsere Startseite ist damit rund zehnmal leichter als der Durchschnitt. Das liegt an Dingen, die man nicht sieht: fertige HTML-Seiten ohne CMS, keine Skripte von Drittanbietern, Schriften auf dem eigenen Server, Bilder in passender Größe, Videos erst nach Klick. Gemessen haben wir auf der Live-Version mit PageSpeed Insights und Lighthouse (mobil) sowie CO2.js.

4. Wie genau sind CO₂-Rechner?
Tools wie Website Carbon liefern eine Zahl wie „0,2 g CO₂ pro Aufruf“. Das ist eine Modellrechnung: Das Tool misst die Datenmenge und rechnet mit Durchschnittswerten hoch.

Für Vergleiche taugt die Zahl gut, als Beweis nicht.
5. Wo sind die größten Hebel?
- Bilder: der größte Brocken. Moderne Formate wie WebP oder AVIF, die richtige Größe und Lazy Loading.
- JavaScript und Plugins: Jedes Plugin, das du nicht brauchst, ist eines zu viel.
- Schriften: Zwei Schnitte reichen fast immer, selbst gehostet sind sie nebenbei datenschutzfreundlicher.
- Videos: Wenn überhaupt, dann gezielt und erst nach einem Klick.
- Hosting: Ein Anbieter mit erneuerbarem Strom senkt den Fußabdruck, ohne dass du an der Seite etwas änderst.
Der größte Hebel steht aber in keiner Technik-Checkliste: Seiten, die niemand braucht, verbrauchen trotzdem Strom. Deshalb fragen wir bei jedem Projekt zuerst, wer auf die Seite kommen soll und was diese Person dort tun soll. Mehr dazu bei Strategie & Positionierung.
6. Darf ich meine Website „grün“ nennen?
Vorsicht. Seit dem 27. September 2026 verbietet die EmpCo-Richtlinie unbelegte Umweltaussagen wie „grün“ und „klimaneutral“ auf Basis von CO₂-Kompensation. Sag lieber konkret, wo du hostest und wie viel deine Seite wiegt. Auf memedia.de steht deshalb nirgends „klimaneutral“.

Für glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation arbeiten wir mit Gudrun Beckh von nk31 (öffnet neues Fenster) zusammen. Ihr Leitsatz:
„Nachhaltigkeit braucht klare Sprache. Denn nur was verständlich ist, wird auch ernst genommen.“
Gudrun Beckh, nk31
7. Fazit: Was du jetzt tun kannst
Eine nachhaltige Website ist meistens einfach eine gut gemachte Website: klar aufgebaut, ohne Ballast, auf einem vernünftigen Server.
- Miss deine Startseite mit PageSpeed Insights und Website Carbon.
- Fang bei den Bildern an, dort ist fast immer am meisten zu holen.
- Räum bei den Plugins auf und prüf dein Hosting im Verzeichnis der Green Web Foundation.
- Sei vorsichtig mit Umweltaussagen. Lieber eine konkrete Zahl als ein schönes Siegel.
Wo steht deine Website?
Im kostenlosen Experten-Check schauen wir uns deine wichtigste Seite an, auch unter dem Blickwinkel Nachhaltigkeit: Ladezeit, Seitengewicht, Bilder, Hosting. Du bekommst 5 bis 10 konkrete Hinweise, mit denen du sofort etwas bewegen kannst.
Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Einschätzung als Web-Agentur wieder und ist keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Über den Autor: Benno Schmidtler hat memedia gegründet und baut seit über 30 Jahren Websites. Er führt jedes Projekt persönlich, von der Strategie bis zur Betreuung.
Quellen
- HTTP Archive: Web Almanac 2025, Kapitel Page Weight (öffnet neues Fenster)
- Website Carbon: So funktioniert die Berechnung (öffnet neues Fenster)
- Sustainable Web Design: Modell und Methodik (öffnet neues Fenster)
- The Green Web Foundation: Green Web Check und Verzeichnis (öffnet neues Fenster)
- W3C: Web Sustainability Guidelines (Entwurf) (öffnet neues Fenster)
- Hetzner: Pressemitteilung HT clean energy (März 2025) (öffnet neues Fenster)
- Umweltpakt Bayern: EmpCo-Richtlinie (öffnet neues Fenster)
- nk31: Nachhaltigkeit kommunizieren (öffnet neues Fenster)




