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Nachhaltiges Webdesign: Wie viel CO₂ steckt in deiner Website?

Benno Schmidtler

Benno SchmidtlerOktober 2026 · Ursprünglich veröffentlicht am 15. September 2022, vollständig neu geschrieben im Oktober 2026

Inhalt
  1. Warum verursacht eine Website überhaupt CO₂?
  2. Was wiegt eine durchschnittliche Website heute?
  3. Unser Selbsttest: memedia.de gegen den Durchschnitt
  4. Wie genau sind CO₂-Rechner?
  5. Wo sind die größten Hebel?
  6. Darf ich meine Website „grün“ nennen?
  7. Fazit: Was du jetzt tun kannst

In aller Kürze: Jede Website verbraucht Strom, und zwar umso mehr, je mehr Daten sie lädt. Eine typische Startseite wiegt heute rund 2,7 MB, vieles davon vermeidbar. Hier zeigen wir die größten Hebel, testen unsere eigene Seite und erklären, warum „klimaneutrale Website“ heikel ist.

1. Warum verursacht eine Website überhaupt CO₂?

Bei jedem Aufruf schickt ein Server Daten durch Rechenzentren und Netze, und das Gerät deiner Besucher rechnet die Seite zusammen. An allen drei Stellen wird Strom verbraucht, und solange der nicht vollständig aus erneuerbaren Quellen kommt, entsteht CO₂.

Ein Seitenaufruf

Strom fließt an drei Stellen.

Server

Rechenzentrum liefert die Seite aus

→

Netz

Daten reisen durch Leitungen und Funk

→

Gerät

Smartphone oder Laptop baut die Seite auf

Je weniger Daten, desto weniger Strom an allen drei Stellen.

Die einfachste Stellschraube ist die Datenmenge: Was nicht geladen wird, verbraucht nirgends Strom.

2. Was wiegt eine durchschnittliche Website heute?

So viel lädt eine mittlere Startseite laut Web Almanac 2025 des HTTP Archive:

DesktopMobil
Seitengewicht gesamt2,86 MB2,56 MB
davon Bilderrund 1,06 MBrund 0,91 MB
davon JavaScriptrund 0,70 MBrund 0,63 MB
Anzahl Anfragen8075

Seitengewicht mobil

Die mittlere Startseite ist dreimal so schwer wie 2015.

0,85 MB

2,56 MB

× 3mehr Daten, ohne dass Websites dreimal so nützlich geworden wären

20152025

Quelle: HTTP Archive, Median mobile Startseite (2025: Web Almanac 2025).

Seit 2015 hat sich das Gewicht ungefähr verdreifacht, ohne dass Websites dreimal so nützlich geworden wären.

3. Unser Selbsttest: memedia.de gegen den Durchschnitt

Wir haben unsere eigene, neue Website gemessen, live nach dem Launch.

Durchschnitt (Web Almanac 2025, mobil)memedia.de (live, gemessen am 18.10.2026)
Seitengewicht Startseite2,56 MB260 KB
Anzahl Anfragen7540
PageSpeed mobil (Performance)nicht erhoben96 (PageSpeed Insights)
CO₂-Schätzung pro Aufruf (Sustainable Web Design Model, wie bei Website Carbon)nicht erhoben0,03 g
Website Carbon Ratingnicht erhobenA+ (sauberer als 94 % aller getesteten Seiten, getestet am 18.10.2026)
Hosting im Green Web Directory gelistetnicht erhobenja (Hetzner Online, geprüft am 18.10.2026)

Unsere Startseite ist damit rund zehnmal leichter als der Durchschnitt. Das liegt an Dingen, die man nicht sieht: fertige HTML-Seiten ohne CMS, keine Skripte von Drittanbietern, Schriften auf dem eigenen Server, Bilder in passender Größe, Videos erst nach Klick. Gemessen haben wir auf der Live-Version mit PageSpeed Insights und Lighthouse (mobil) sowie CO2.js.

Lighthouse mobil: PageSpeed Insights für memedia.de, ein einzelner Lauf am 18.10.2026 um 19:06 Uhr. Die Werte schwanken von Lauf zu Lauf.
Lighthouse mobil: PageSpeed Insights für memedia.de, ein einzelner Lauf am 18.10.2026 um 19:06 Uhr. Die Werte schwanken von Lauf zu Lauf.

4. Wie genau sind CO₂-Rechner?

Tools wie Website Carbon liefern eine Zahl wie „0,2 g CO₂ pro Aufruf“. Das ist eine Modellrechnung: Das Tool misst die Datenmenge und rechnet mit Durchschnittswerten hoch.

Website Carbon: Bewertung A+ für memedia.de, sauberer als 94 % aller getesteten Seiten
Website Carbon: Bewertung A+ für memedia.de, sauberer als 94 % aller getesteten Seiten (getestet am 18.10.2026)

Für Vergleiche taugt die Zahl gut, als Beweis nicht.

5. Wo sind die größten Hebel?

  • Bilder: der größte Brocken. Moderne Formate wie WebP oder AVIF, die richtige Größe und Lazy Loading.
  • JavaScript und Plugins: Jedes Plugin, das du nicht brauchst, ist eines zu viel.
  • Schriften: Zwei Schnitte reichen fast immer, selbst gehostet sind sie nebenbei datenschutzfreundlicher.
  • Videos: Wenn überhaupt, dann gezielt und erst nach einem Klick.
  • Hosting: Ein Anbieter mit erneuerbarem Strom senkt den Fußabdruck, ohne dass du an der Seite etwas änderst.

Der größte Hebel steht aber in keiner Technik-Checkliste: Seiten, die niemand braucht, verbrauchen trotzdem Strom. Deshalb fragen wir bei jedem Projekt zuerst, wer auf die Seite kommen soll und was diese Person dort tun soll. Mehr dazu bei Strategie & Positionierung.

6. Darf ich meine Website „grün“ nennen?

Vorsicht. Seit dem 27. September 2026 verbietet die EmpCo-Richtlinie unbelegte Umweltaussagen wie „grün“ und „klimaneutral“ auf Basis von CO₂-Kompensation. Sag lieber konkret, wo du hostest und wie viel deine Seite wiegt. Auf memedia.de steht deshalb nirgends „klimaneutral“.

Konkret statt „grün“: 0,03 g CO₂ pro Aufruf, und Website Carbon erkennt für memedia.de Strom aus erneuerbaren Quellen
Konkret statt „grün“: 0,03 g CO₂ pro Aufruf, und Website Carbon erkennt für memedia.de Strom aus erneuerbaren Quellen (getestet am 18.10.2026)

Für glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation arbeiten wir mit Gudrun Beckh von nk31 (öffnet neues Fenster) zusammen. Ihr Leitsatz:

„Nachhaltigkeit braucht klare Sprache. Denn nur was verständlich ist, wird auch ernst genommen.“

Gudrun Beckh, nk31

7. Fazit: Was du jetzt tun kannst

Eine nachhaltige Website ist meistens einfach eine gut gemachte Website: klar aufgebaut, ohne Ballast, auf einem vernünftigen Server.

  • Miss deine Startseite mit PageSpeed Insights und Website Carbon.
  • Fang bei den Bildern an, dort ist fast immer am meisten zu holen.
  • Räum bei den Plugins auf und prüf dein Hosting im Verzeichnis der Green Web Foundation.
  • Sei vorsichtig mit Umweltaussagen. Lieber eine konkrete Zahl als ein schönes Siegel.

Wo steht deine Website?

Im kostenlosen Experten-Check schauen wir uns deine wichtigste Seite an, auch unter dem Blickwinkel Nachhaltigkeit: Ladezeit, Seitengewicht, Bilder, Hosting. Du bekommst 5 bis 10 konkrete Hinweise, mit denen du sofort etwas bewegen kannst.

Mehr dazu: Umsetzung · Design · WordPress

Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Einschätzung als Web-Agentur wieder und ist keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Benno Schmidtler

Über den Autor: Benno Schmidtler hat memedia gegründet und baut seit über 30 Jahren Websites. Er führt jedes Projekt persönlich, von der Strategie bis zur Betreuung.

FAQ

Häufige Fragen zu nachhaltigem Webdesign.

Wie viel CO₂ verursacht eine Website?

Das hängt davon ab, wie viele Daten sie lädt und wie oft sie aufgerufen wird. Rechner liefern eine Modellrechnung, die sich vor allem für Vergleiche eignet.

Was ist die wichtigste Maßnahme für eine nachhaltige Website?

Die Datenmenge senken, meist zuerst bei den Bildern, dann bei JavaScript und Plugins.

Bringt grünes Hosting etwas?

Ja, beim Server. Übertragung und Endgerät bleiben unberührt, deshalb wirkt es am besten mit einer schlanken Seite.

Darf ich meine Website als „klimaneutral“ bewerben?

Nur sehr eingeschränkt. Aussagen, die allein auf CO₂-Kompensation beruhen, sind seit dem 27. September 2026 nicht mehr erlaubt.

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